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Bike-Setup

Sattel

An dem wichtigsten Bindeglied zwischen Biker und Bike - neben den Lenkergriffen und Pedalen - scheiden sich die Geister. Hier kann man auch kaum Empfehlungen aussprechen, da der Grundsatz gilt: 'Jeder Arsch ist anders.'

Nur soviel zum Thema Sattelwahl: ein richtig guter Bikeshop bietet die Möglichkeit zum Probesitzen. D. h. eine Vorrichtung, in die man den Sattel seiner Wahl einspannen und eben aufsitzen kann. Wichtig dabei ist, auch eine Weile sitzen zu bleiben. Erst dann zeigt sich eine genauere Gewichtsverteilung - und bitte nicht in Jeans sondern in Bikeshorts! Einige Händler bieten auch eine Druckverteilungsmessung mit Hilfe von Sensormatten an, die mit ihren Messergebnissen sehr gute Dienste bei der Sattelauswahl leisten kann. Allerdings hat so etwas nicht jeder. Besitzt man bereits einen optimalen Sattel am Bike, braucht aber einen neuen, sollte man den alten mitnehmen. So lassen sich gut Vergleiche anstellen.

Sattelhöhe richtig einstellen

Eine Kurbel senkrecht nach unten ausrichten und normal aufsitzen. Bei durchgestrecktem Bein sollte die Ferse auf dem Pedal stehen. Wenn der Fussballen auf dem Pedal steht, muss das Bein leicht eingeknickt, darf also nicht ganz durchgestreckt sein. Ist es durchgestreckt, wackelt man beim Fahren ständig mit der Hüfte hin und her. Ist das Knie dagegen zu sehr gebeugt, macht die Muskulatur zu schnell schlapp. Je nach Trail muss der Sattel natürlich abgesenkt werden, z. B. bei steileren Abfahrten. Sonst heissts beim Bremsen womöglich: 'Ab über den Lenker!'.

Tipp: Falls Deine Sattelstütze keine aufgedruckten Markierungen hat, hole dies mit einer leichten (!) Kerbe nach um die für Dich optimale Höheneinstellung festzuhalten. Dann fällt die lästige Feineinstellung nach dem Absenken oder Ausbauen weg. Die Sattelhöhe kann auch errechnet werden. Stell Dich barfuss mit den Fersen an eine Wand und drück die Beine durch. Die Füsse müssen dabei parallel ausgerichtet sein und dürfen sich nicht berühren: also in dem Abstand voneinander sein, als wenn sie auf den Pedalen wären. Dann klemm ein Buch parallel zum Boden in den Schritt um den Druck des Sattels zu simulieren. Jetzt miss die Distanz vom Boden bis zur Oberkante des Buches. Diesen Wert (in cm) multiplizierst Du mit 0,885. Das Ergebnis ist der einzustellende Abstand von der Tretlagermitte bis zur Oberkante des Sattels, am Sitzrohr entlang gemessen. Durch Aufsitzen die Beinstreckung nachchecken. Bevor Du Markierungen anbringst, teste ruhig erst ein wenig und senke den Sattel für ein paar Kilometer und auch Up-/Downhills mal nur ein wenig ab oder ziehe ihn weiter heraus. Du wirst überrascht sein, welche Auswirkungen schon ein halber Zentimeter mehr oder weniger haben kann!

Korrekte Sattelposition und -neigung

Für eine kraftvollere Tretposition und mehr Druck auf dem Hinterrad verschiebt man den Sattel (oder den Hintern) nach hinten. Ist der Sattel zu weit hinten, wird die Sitzposition zu gestreckt und Du bekommst ggf. Haltungsprobleme.

Die optimale horizontale Position findet man, indem man ein Lot benutzt. Dafür setzt Du Dich auf Dein Bike, Schuhe in die Pedale einklicken und Hände an den Lenker. Eine zweite Person hält das Lot knapp vor den Tibia-Kopf (Punkt zwischen der oberen Kante des Schienbeins und der Kniescheibe). Die Schnur des Lotes sollte jetzt durch die Pedalachse laufen. Je nachdem musst Du den Sattel weiter nach hinten verschieben. Solltest Du schon am äussersten Punkt angelangt sein, hilft eine gekröpfte Sattelstütze. Ist die schon eingebaut, ist Dein Rahmen wohl nicht auf Deine Körpergrösse abgestimmt.

Wenn Du Rückenprobleme hast, verschieb den Sattel einfach mal ein paar Millimeter nach vorn oder hinten. Denn nicht nur bei der Sattelhöhe kannst Du mit geringen Änderungen große Wirkung erzielen.

Die Sattelfläche sollte grundsätzlich waagerecht stehen (ausser bei Downhillern, Dirtbikern und ggf. Freeridern - da wird er meist nach hinten geneigt) wenn Du aufsitzt. Hier ist bei Fullys der "Sag", also der Negativfederweg zu berücksichtigen. Denn beim Aufsitzen sinkt der Sattel leicht ab und durch die fixe Geometrie des Hauptrahmens neigt er sich automatisch leicht nach hinten. In diesem Fall muss der Sattel also bei der Montage leicht nach vorn geneigt sein.

Wenn Du Sitzprobleme hast, insbesondere im Dammbereich, ist der Druck an der entsprechenden Stelle zu groß. Hier hilft es häufig, den Sattel ein klein wenig nach vorne abzuneigen - ohne dass Du das Gefühl bekommst beim Fahren von ihm runterzurutschen. Auch ein Wechsel des Sattels kann helfen, gerade dann, wenn der Sattel eine Aussparung im Dammbereich aufweist um den Druck zu reduzieren.

Sattelstütze

Die Länge der Stütze ist wichtig. D. h. sie darf bei normaler Sitzposition nicht zu weit aus dem Sitzrohr kommen, der Sattel soll einem ja nicht unterm Arsch wegbrechen. Gleichzeitig sollte sie auch nicht zu lang sein, da man sonst je nach Rahmenkonstruktion beim Absenken Probleme bekommen kann (Fullys. Hierbei unbedingt darauf achten, dass das Federbein immer frei arbeiten kann!).

Bei Hardtails kann man den Komfort um einiges steigern, indem man eine gefederte Sattelstütze einbaut. Nur sind diese meistens nicht für den Hardcoreeinsatz konzipiert. Beim Drop also nicht sitzenbleiben! Aber wer macht das schon? Lachender Smiley