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Bike-Bau

Den passenden Rahmen wählen

Für jeden Einsatzzweck gibt es den passenden Rahmen. Einen kurzen Einblick in die Vielfalt der Rahmenkonstruktionen und das entsprechende Einsatzgebiet zeigt folgende Aufstellung:

Hardtailrahmen

Cross-Country-/ Tour-Rahmen Leichter Cross-Country-/ Tour-Rahmen aus Alu oder Karbon. Im Bereich des Steuerrohrs sind des öfteren Verstärkungsbleche eingeschweisst.
Freeride Rahmen Freeride Rahmen aus Aluminium oder Stahl. Besondere Merkmale an Freeride Rahmen sind große Rohrdurchmesser und zusätzlich verschweisste Verstärkungsbleche im Bereich Steuer- und Sitzrohr. Aufgrund der hohen Stabilität des Rahmens recht schwer.
Dual- oder Dirtbike-Rahmen Dual- oder Dirtbike-Rahmen. Diese Rahmen sind wie die Freeride Rahmen sehr stabil und verwindungssteif, weisen ebenfalls große Rohrdurchmesser und Verstärkungsbleche auf. Charakteristisches Merkmal bei diesen Rahmen ist die 'kleine Bauhöhe'. Dadurch wird das Bike noch stabiler und extrem wendig.

Fullyrahmen

Fully Cross-Country-/ Tour-Rahmen - Eingelenker Leichter Cross-Country-/ Tour-Rahmen aus Alu oder Karbon. Auch hier werden des öfteren Verstärkungsbleche im Steuerrohrbereich verschweißt um die Stabilität zu erhöhen. Dieser Rahmen ist ein 'Eingelenker'.
Fully Cross-Country-/ Tour-Rahmen - Viergelenker Prinzipiell der gleiche Rahmen wie oben, nur als Viergelenker.
Fully Downhill- oder Freeride-Rahmen Downhill- oder Freeride-Rahmen. Bei dieser Art zu biken ist der Rahmen extremen Belastungen ausgesetzt. Robustheit ist gefragt, Gewicht eher nebensächlich. Karbon wird man hier wohl kaum finden. Alu ist der Hauptwerkstoff. Dicke Rohre, Verstärkungsbleche so weit das Auge reicht und massig Platz für große Dämpfer mit sattem Federweg.

Was unterscheidet jetzt den oben abgebildeten Viergelenker von einem 'Mehrgelenker'? - Das 'Horst-Link' macht den Unterschied. Dieses Ding ist eine Erfindung des österreichischen Full-Suspension Pioniers Horst Leitner. Das Horst-Link besteht aus einem Lagerpunkt an den Kettenstreben kurz vor der Hinterradachse. Durch diesen Lagerpunkt bewegt sich das Hinterrad beim Einfedern nicht auf einer Kreisbahn um den Hauptdrehpunkt am Tretlager. Es bewegt sich vielmehr in einer von einem Parallelogramm vorgegeben Kurve. Das hat den Vorteil, das die Federung von Antriebseinflüssen entkoppelt wird.

Die Konstruktion ist relativ aufwendig und damit teurer. Gleichzeitig bedeutet jedes Lager mehr einen weiteren Wartungsaufwand und höhere Defektanfälligkeit. Deshalb unbedingt auf gedichtete Industrielager (mit Kugeln oder Nadeln) achten. Gleitlager verschleißen wesentlich schneller. Auch wenn hier natürlich auch von Jahr zu Jahr Fortschritte erzielt werden.

Neben der Wahl des richtigen Rahmens, musst Du ein besonderes Augenmerk auf die Rahmengeometrie legen.

TIPP: Für gute Angebote lohnt sich immer wieder mal ein Blick in den Webshop von Brügelmann.

Rahmenmaterialien

Chromoly

Chrom-Molybdän (CrMo) ist Stahl. Dieser Stahl wird u. a. mit Chrom und Molybdän legiert - daher der Name. CrMo erreicht bei einer Dichte von 7,45 kg/dm3 eine hohe Zugfestigkeit. CrMo-Rahmen decken wegen des niedrigen Materialpreises den breitesten Marktsektor ab wenn man alle Zweiräder zu Grunde legt. Denn bei Bikes die schon nicht mehr "normale Fahrräder" sondern "Sportgeräte" sind, dürfte Alu wesentlich weiter vorne liegen.

Alu

Aluminium ist korrosionsfest, pflege- und wartungsfrei. Es bringt ein spezifisches Gewicht von nur 2,7 kg/dm3.

Dieser Vorteil wird jedoch durch die geringe Zugfestigkeit größtenteils wieder aufgehoben. Um dennoch gute Stabilität des Rahmens gewährleisten zu können, müssen entweder dickwandige Rohre oder große Durchmesser verwendet werden. Alu-Rahmen können sowohl geschweißt als auch geklebt werden. Hier noch einige Erklärungen zu bei Alurahmen auftauchenden Bezeichnungen:
T6: Der Rahmen wurde nach dem Schweißen geglüht und abgeschreckt, wie ein gekochtes Ei grinsender Smiley.
6061: Bezeichnet eine Legierung, die nach dem Schweißen nachbehandelt werden muss (T6).
7005 o. 7020: Diese Legierung erlangt nach dem Schweißen ihre ursprüngliche Zugfestigkeit ohne Nachbehandlung.
Double Butted: Das Rahmenrohr hat aus Stabilitätsgründen im Endbereich eine höhere Wandstärke und/oder es sind Zusatzbleche verschweißt.

Karbon

Karbon (Kohlefaser) hat einiges an Vorteilen zu bieten: es ist sehr steif, sehr leicht, korrosionsfrei und öffnet designmäßig viele Möglichkeiten. Ein großer Nachteil ist jedoch die miserable Steifigkeit bei multidirektionaler Belastung: Kohlefasern sind auf Zug oder Druck ultrasteif, wirken jedoch Kräfte von der Seite, wie z. B. im Wiegetritt, verwindet sich die ganze Konstruktion wie ein Aal. Man versucht diesen Umstand durch Monocoque-Bauweise und Überdimensionierung der kritischen Stellen (Tretlagerbereich, Steuerkopf) zu vermindern. Dabei geht der Gewichtsvorteil jedoch teilweise wieder flöten. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die optimale Lage jeder einzelnen Faser per Computer zu berechnen. Das ist allerdings sehr zeitaufwendig und teuer, weshalb Karbonrahmen nur einen kleinen Teil des Marktes abdecken. Durch die Entwicklungen in den letzten Jahren und die gestiegene Nachfrage verbunden mit fallenden Preisen nimmt der Anteil der Karbonbikes zu.

Titan

Hohe Festigkeit und hohe Korrosionsbeständigkeit bei gleichzeitig geringer Dichte (4,5 kg/dm3) machen Titan oder Titanlegierungen zum idealen Werkstoff. Die Anforderungen im Verarbeitungsbereich und der hohe Materialpreis sorgen allerdings dafü, dass sich Titan am Markt als Rahmenmaterial nicht so ganz durchsetzt. Im Bikepartsbereich ist Titan allerdings öfter anzutreffen.

Beschichtungen

Bikerahmen werden nie nackt verbaut (außer vielleicht Karbonrahmen), denn sonst nagt der Zahn der Korrosion sehr schnell. Entweder wird mehrschichtig Lack aufgetragen oder der Rahmen wird pulverbeschichtet. Die Pulverbeschichtung ist robuster gegenüber Umwelteinflüssen als eine Lackierung.

Normalerweise verewigt sich der Hersteller mit Aufklebern auf dem Rahmen. Bei guten Rahmen sind diese Aufkleber ebenfalls überlackiert/ beschichtet, damit Wasser und Dreck nicht unter die Klebekanten geraten können. Und ein Bike mit sich pellenden Aufklebern sieht ja schließlich nicht so doll aus.

Tipps

Deine Reifen bombardieren den Rahmen gerne mal mit fiesen Steinchen. Die schlagen dann schnell Macken in den Lack oder die Pulverbeschichtung und legen das Rahmenmaterial frei. Jetzt noch einen Schuss Feuchtigkeit und Sauerstoff drauf: die Korrosionsparty kann anfangen. Um das zu verhindern, kannst Du Deinen Rahmen an empfindlichen Stellen mit einer einfachen Klebefolie aus dem Baumarkt schützen.

Die optimale Lösung aber findest Du auch im Baumarkt. Und zwar Abwasserrohre. Im ungefähr passenden Durchmesser zu Deinem Unterrohrs gekauft, halbierst Du es längs und montierst es z. B. mit Kabelbindern. Wenn Dir das Grau nicht gefällt, kannst Du es mit Klebefolie Deinem Bike anpassen

Die rechte Kettenstrebe bekommt ebenfalls gerne Ihre Macken, allerdings ist daran die Kette schuld. Du ratterst über Stock und Stein und Deine Kette rattert fröhlich mit. Immer auf die Kettenstrebe. Das das Spuren hinterlässt, ist klar. Also ab in den Bikeshop und einen Neoprenüberzug mit Klettverschluss besorgen. Alternativ kannst Du auch einen alten Reifen oder Schlauch zerschneiden und aufkleben. Dann kann die Kette ruhig schlackern.

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