Headerbild Werkstatt
 > Startseite  > Werkstatt  > Schrauben at Home  > Federgabel
Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen
auf Facebook teilen



Seite ausdrucken

Schrauben at Home

Federgabel einbauen

Eine Federgabel einzubauen ist leichter als man denkt, auch wenn es nicht gerade einfach ist. Nicht gerade einfach deshalb, weil man einiges beachten muss. Das fängt schon allein bei Kauf der Gabel an, denn man sollte natürlich eine Gabel wählen die zum eigenen Fahrstil passt. Soweit alles logisch. Also kommen wir zur

Einbauhöhe

Einbauhöhe einer Federgabel ermitteln

Ist die Einbauhöhe zu hoch, wird der Steuerwinkel flach und das Bike laufruhiger - aber die Wendigkeit lässt nach. Auch die Front des Bikes kann zu hoch werden um steile Anstiege bewältigen zu können. Das kann man aber u. U. durch Weglassen von Spacern (Zwischenringe), einen flachen Vorbau und/oder eine gerade Lenkerstange etwas ausgleichen.

Ist die Einbauhöhe zu niedrig, wird der Steuerwinkel steil und das Bike wird unruhiger im Geradeauslauf, dafür aber wendiger. Die Front des Bikes wird flacher, man sitzt sehr gestreckt auf dem Bike. Bei steilen Abfahrten steigt das Risiko über den Lenker zu gehen. Ausgleichsmöglichkeiten bieten hier ein "Downhill"lenker, ein steiler Vorbau oder Spacer. Das Tretlager senkt sich unter Umstäden sehr weit ab, was weniger Bodenfreiheit und damit ein gesteigertes Risiko irgendwo aufzusetzen bedeutet.

Die Einbauhöhe wird ermittelt, indem man den Abstand zwischen Mitte Radnabenaufnahme und Oberkante Gabelbrücke misst

Gabel für den Steuersatz vorbereiten

Gabel gekauft? Also ran ans Einbauen. Als erstes wird das Gegenstück zur unteren Lagerschale des Steuersatzes auf den Gabelschaft geschlagen.

Dafür reicht ein breiter, möglichst nicht "ausgelutschter" Schlitzschraubendreher und ein mittlerer Hammer aus um den Ring gleichmäßig rundherum immer weiter Richtung Gabelbrücke zu treiben bis er letztlich aufliegt. Das Risiko dabei liegt im Abrutschen des Schraubendrehers.

Gabelschaft und Steuersatz Tipp: Um ein Abrutschen zu vermeiden, kannst Du Dir in einem Baumarkt ein Rohr mit einem Durchmesser knapp über 1 1/8 Zoll (je nach Durchmesser Deines Gabelschafts) besorgen. Aber bitte kein Kunststoffrohr. Geeignete Metallrohre findest Du am ehesten im Sanitärbereich bei den Einsätzen für Flaschensiffons. Die sind vor allem an einem Ende abgerundet und verbreitert. Trotz der geringen Wandstärke halten sie in der Regel das Auftreiben gut aus. Nachdem Du dieses Rohr über den Gabelschaft gestülpt hast, legst Du ein Holzbrettchen oben auf und treibst den Ring auf den Gabelschaft bis er auf der Brücke rundherum aufliegt.

Wegen der federnden Wirkung der Gabel solltest Du die Vorspannung auf Maximum einstellen oder den LockOut anknipsen. Auch wenns noch etwas nachfedert, das klappt. Anderenfalls kannst Du auch eine Dachlatte auf Deine Werkbank klemmen und die Gabelbrücke entsprechend auflegen.

Gabelschaftlänge bestimmen

Als nächstes bestimmst Du die Stelle, an der der Gabelschaft gekürzt wird. VORSICHT: Wenn Du den Gabelschaft zu weit kürzt, kannst Du die Gabel, bzw. den Schaft inkl. Brücke und Tauchrohre wegwerfen. Der Schaft kann in den meisten Fällen nicht erneuert werden! Ein Austausch des Verbundteils Gabelbrücke/-schaft ist zwar möglich, aber nicht gerade billig. Deshalb geh hier bitte besonders sorgfältig ans Werk.

in das Steuerrohr eingesteckte Federgabel Bau die Gabel mit ungekürztem Schaft in den Rahmen ein. Vorder- und Hinterrad sowie Sattel und Stütze ebenfalls einbauen falls noch nicht montiert. Jetzt steckst Du den Vorbau mit Lenker auf und setzt Dich aufs Bike. Passt's? Gut. Wenn nicht:
  • Zu hoch: Die Spacer zwischen Steuersatz und Vorbau entfernen, flacheren Vorbau oder gerade Lenkerstange einbauen
  • Zu niedrig: Spacer einlegen, steileren Vorbau oder "Downhill"-Lenker einbauen.

(Beim Einlegen von Zwischenringen bitte nicht übertreiben. Irgendwann leidet die Stabilität und es sieht obendrein auch noch bescheiden aus.)

Jetzt zieh mit einem Filzer rund um den Gabelschaft eine Linie an der Oberkante des Vorbaus entlang. Das ist später nicht Deine Schnittlinie, die liegt etwas tiefer. Der Gabelschaft soll also knapp unterhalb der Vorbauoberkante enden. Versuche hier also zu schätzen, wie viele Millimeter Deine gezogene Linie zu hoch ist. Bau die Gabel wieder aus.

Sicher das es paßt? Lieber zwei oder dreimal aufsitzen und einige Varianten testen. Sicherheitshalber ruhig ein paar Zwischenringe mehr einlegen als Du vermutest zu brauchen. Wenns später nicht ganz hinhaut, kannst Du den Gabelschaft immer noch etwas kürzen

Gabelschaft kürzen

Absägen des Gabelschaftes Jetzt legst Du die Gabel möglichst rutschfest auf Deine Werkbank. Am besten lässt Du sie von jemand anderem festhalten. Einen Schraubstock solltest Du nur sehr vorsichtig verwenden, denn das Risiko die Gabel oder den Gabelschaft zu verformen ist nicht gerade klein.

Unterhalb der von Dir gezogenen Hilfslinie zeichnest Du jetzt die Schnitlinie. Optimal gesetzt ist die Schnittlinie dann, wenn der Schaft der eingebauten Gabel ca. 2mm unterhalb der Vorbauoberkante endet um eine möglichst große Klemmfläche für die Fixierung des Vorbaus zu bieten. Mehr als 10mm Luft dürfen aus Sicherheitsgründen nicht sein!

Kürzen kannst Du den Gabelschaft jetzt entweder mit einem Rohrschneider aus dem Baumarkt oder mit einer guten Metallsäge. Nimm Dir Zeit dabei, der Schnitt soll ja sauber sein und vor allem nicht schräg.
Jetzt noch schnell die Schnittkanten mit einer Feile entgraten ... Entgraten der Schnittkanten
Einfetten des Gabelschafts gegen Korrosion ... und den Gabelschaft gegen Korrosion einfetten. Die obersten Zentimeter zur Klemmung des Vorbaus solltest Du allerdings außen vor lassen.

Einschlagen der Steuersatzkralle

Passt der Vorbau? Ist noch etwas Luft von der Oberkante Gabelschaft bis Oberkante Vorbau da? Den braucht man nämlich bei A-Head-Systemen um den Steuersatz 'festklemmen' zu können.

Der letzte Schritt ist jetzt das Einschlagen der Steuersatzkralle, sofern Du keine wiederverwendbare Kralle hast. Die wiederverwendbaren Krallen sind zwar etwas schwerer, können aber halt wiederverwendet werden und sind wesentlich einfacher zu montieren. Bei diesen Krallen wird ein Konus mittels einer Schraube im Gabelschaft nach oben gezogen. Dadurch wird wiederum ein Ring gespreizt, der sich im Schaft festsetzt. Die Schraube drückt dann gleichzeitig den Vorbau auf den Steuersatz.

Keine wiederverwendbare Kralle zur Hand? Auch egal, hier zeigen wir Dir wie die 'normale' eingeschlagen wird:

Einschlagen der Steuersatzkralle Bei den einzuschlagenden Krallen ist schwierig, die Kralle gerade einzuschlagen. Der Durchmesser der Kralle ist größer als der Durchmesser des Gabelschaftes damit eine Klemmwirkung erzielt wird: sie setzt sich im Gabelschaft gegen Zug von oben durch die nach oben weisenden 'Ärmchen' fest. Wie ein Tannenzapfen eben.

Um die Kralle gerade einzuschlagen, nimmst Du ein rundes Metallstück und setzt es mittig an. Der Durchmesser des Metallstabes sollte nicht mehr als 1,5 cm betragen, damit sich die 'Ärmchen' der Kralle nach oben biegen können. Jetzt schlägst Du die Kralle mit Gefühl immer ein Stückchen weiter ein. Achte darauf, dass sich die Kralle gleichmäßig verformt.

Die fertig eingeschlagene Kralle sollte ca. 1 cm vom Gabelschaftende entfernt sein. Nicht weiter, da sonst die Schraube evtl. nicht lang genug ist um die Kralle zu erreichen und deren Gewinde vollständig auszunutzen.

Tipp: Am einfachsten ist das Einschlagen, wenn Du einen Kreuz-Schraubendreher durch das Gewinde der Kralle steckst. Optimal ist er, wenn zwischen Schraubendreher und Krallengewinde kaum Spiel ist. Durch diese Führung verhinderst Du das zu Beginn des Einschlagens nervige Kippen und Verkanten der Kralle. Allerdings sollte der Griff des Schraubendrehers stabil genug sein um die Hammerschläge auszuhalten.

Das war es. Jetzt nur noch Gabel einbauen, Vorbau und Lenker montieren, Bremse anbringen, Vorderrad einspannen und raus in den Wald! Die Tour hast Du Dir verdient, schließlich hast Du eine schon ziemlich aufwändige Montage im Bikebau geschafft.

Verwandte Themen:
Bike-Setup - Dämpfer
Bike-Setup - Federgabel
Schrauben at Home - Steuersatz