Vorab: hydraulische Scheibenbremsen gibts wie Sand am Meer. Bei Kettenschaltungssystemen gibts zwar auch diverse Hersteller, allerdings funktionieren die tatsächlich bis auf wenige Details immer gleich. Insofern gilt hier 'haste eins verstanden - kennste auch die anderen'.
Bei Scheibenbremsen sieht das anders aus und fängt schon allein bei der 'hydraulischen' Befüllung der Bremse an: DOT4 Bremsflüssigkeit oder Mineralöl? Bloß nicht vertauschen, denn dann ist die Bremse hin. Exitus, neue kaufen. Ausgleichbehälter ja oder nein? Ausrichtung des Bremssattels, Reihenfolge der Arbeitsschritte... usw. können sich komplett unterscheiden. Insofern diese Anleitung hier bitte nicht auf andere Bremsen übertragen. Sie dient nur dem groben Überblick und gibt ein paar tatsächlich allgemein gültige Hinweise. Wenn Du eine 2002er Louise entlüften willst kannst Du die Anleitung natürlich 1zu1 befolgen (ja, der Workshop ist schon was älter...)
Okay. Legen wir los. In den nachfolgenden Ausführungen steht 'Bremsflüssigkeit' sowohl für Mineralöl als auch DOT4-Bremsflüssigkeit. Bei Besonderheiten steht dann Mineralöl oder DOT4.
Normalerweise sind die Beläge mit einem Sicherungsstift gegen Verrutschen/ Rausfallen gesichert. Diesen Stift also zuerst entfernen und dann die Beläge. Das Laufrad sollte natürlich bereits draußen sein.

Die Beläge checkst Du dann auf gleichmäßige Abnutzung, Reststärke des Belages und ggf. Verglasung. Verglasung entsteht durch Dauerbremsungen und die hierbei erzeugte extreme Hitzeentwicklung. In der Folge lässt die Bremspower stark nach, da die Reibung der Beläge auf der Scheibe weit herabgesetzt wird. Also, kurz und definiert bremsen und nicht permanent die Beläge schleifen lassen. Auch nicht nur mit der Vorder- oder Hinterradbremse verzögern sondern beide kombiniert einsetzen - von bestimmten Fahrsituationen mal abgesehen.

Jetzt überprüfst Du die Kolben auf Dichtigkeit. Denn wenn hier Bremsflüssigkeit austritt, nützt Dir ein Entlüften der Bremse gar nichts. Dazu nimmst Du einfach ein Wattestäbchen und reibst es über den/ die Kolben im Bremssattel.

Sieht das Wattestäbchen danach so aus wie auf dem Foto - also ohne Schmier & Co. sondern nur hübsch verdreckt mit Bremsstaub - ist alles okay.

Immer (!) das System zuerst am untersten Punkt öffnen - also am Bremssattel. Denn wenn der Bremsgriff schon geöffnet ist, läuft Dir die ganze Suppe aus dem Bremssattel raus bevor Du die Befüllspritze angesetzt hast. Gäbe ne hübsche Sauerei, insbesondere bei einer Befüllung mit DOT4. Denn die ätzt nämlich gerne den Lack weg.

Den Lenker solltest Du fixieren damit er Dir bei der Arbeit am Bremsgriff nicht wie ein Lämmerschwanz das Arbeiten erschwert.

Bremssattel geöffnet? Dann Befüllspritze einschrauben. - In der Bremsflüssigkeit dürfen keine Blasen mehr sein, also vorher schön wie Onkel Dottore vor dem Pieks die Lufblasen rausklopfen.

Jetzt kannst Du den Bremsgriff öffnen, im Fall von Bremsen mit Ausgleichsbehälter also normalerweise den Deckel abnehmen.
Als erstes die Kolben im Bremssattel komplett zurückdrücken damit sich Luftblasen möglichst schnell in die Bremsleitung verkrümeln können (weniger Volumen im Bremskolben).
Während Du mit der Befüllspritze durch den Bremssattel langsam die neue Bremsflüssigkeit in das System einfüllst, saugst Du am Bremsgriff mit einer zweiten Spritze die austretende Flüssigkeit ab damit nichts überläuft. Oder Du fängst sie mit einem Behälter auf wenn Du keinen Ausgleichsbehälter hast.

Bremsflüssigkeit aus Ausgleichsbehälter und System mit der Befüllspritze 'rückwärts' absaugen. Dann die Bremsleitung aus dem Griff entfernen und auf die gewünschte Länge kürzen. Scharfe (!) Knipperzange geht da schon in Ordnung, auch wenn die Hersteller das meist in ihren Bedienungsanleitungen verneinen.

Wichtig: Das Ende der gekürzten Leitung mit neuen (!) Stutzen und Muffen versehen damit das System dicht wird. Die alten Teile können bei einer Entfernung von der Leitung beschädigt werden und selbst minimale Dellen, Kratzer & Co. führen zu einem Leck. Also, in jedem Fall für ein paar Cent in Neuteile investieren!



Jetzt die Leitung wieder mit dem Bremsgriff verschrauben.

Blasen, alles Blasen... und um sicher zu stellen, dass keine mehr im System verblieben sind: die randvolle Befüllspritze komplett durchdrücken und bei Zweifeln auch gerne nochmal. Beim Eindrücken der Bremsflüssigkeit den Bremshebel langsam vor und zurück drücken damit Bläschen im Geberkolben verschwinden.
Tipp: Wenn alles nix hilft, kann eine 'Rückwärtsbefüllung' das Problem evtl. lösen. Also nicht vom Bremssattel aus, sondern vom Bremsgriff aus. Das bringt einen nämlich dann weiter, wenn im Bremssattel Luftbläschen trotz Klopferei einfach nicht in die Leitung reinrutschen wollen um dann zum Bremsgriff hochzuwandern.

Vor dem Aufsetzen des Deckels, den evtl. vorhandenen Ausgleichsbehälter randvoll (!) mit Bremsflüssigkeit befüllen - sonst hast Du gleich ne dicke Luftblase drin. Vor allem beim Radausbau, d. h. auf den Kopf stellen, fluppt sie Dir schnell in die Leitung. Druckpunkt weg, Bremskraft weg. Wollen mer net.
Aber auch beim randvollen Befüllen bleibt ein ''Restrisiko''. Deshalb bei Bremsen mit Ausgleichsbehälter sparsam umgehen mit dem auf den Kopf stellen.

Deckel aufsetzen und festschrauben. Dabei mit einem Lappen o. ä. die austretende Bremsflüssigkeit aufnehmen. (Bei DOT4 bitte sofort wegwischen. Sonst ist der Lack weg...)

Im nächsten Schritt die Befüllspritze aus dem Bremssattel entfernen. Hier, vor dem Einsetzen der Schraube, auch wieder auf randvolle Befüllung achten.


Es kann sein, dass sich in der Bremsflüssigkeit Dreck befindet. Sieht manchmal aus wie ''Schimmel im Apfelsaft'' (Wie? Kennst Du nicht? Noch nie im Bikekeller ne Tüte Saft vergessen?!). Klar ist neue Bremsflüssigkeit immer besser. Aber Du kannst sie auch filtern. Funzt zwar nicht bei DOT4 wg. ätz und weg, aber bei Maguras ziemlich gut. Einfach Küchenpapier zum Trichter formen, in Glas einsetzen und das Magura-Blood durchtröpfeln lassen.

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