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Schrauben at Home

Steuersatz

Der Steuersatz besteht aus zwei Hälften, wovon eine oberhalb und eine unterhalb des Steuerrohrs eingebaut wird. Diesem Ding sollte man regelmäßig seine Aufmerksamkeit schenken, denn der Steuersatz ist eines der am meisten beanspruchten Teile eines Bikes. Die Kontrolle ist einfach und geht fix über die Bühne:

Einfach Daumen und Zeigefinger auf die obere Lagerschale legen, Vorderbremse ziehen und das Bike leicht vor und zurück bewegen. Wenn Du ein Spiel fühlen kannst, muss der Steuersatz neu eingestellt werden. Denn ein lockerer Steuersatz verschleißt sehr schnell und die Lenkung ist nicht mehr leichtgängig. Unter Umständen kann sich das Lagerinnenleben verkanten und die Lenkung sogar komplett lahmlegen. Auch ein zu stramm festgezogener Steuersatz verschleißt schnell und behindert die Lenkung.

Bei den Steuersätzen gibt es zwei Systeme, beide entweder mit Kugel- oder Nadellagern.

A-Head Steuersatz

schematischer Aufbau eines A-Head Steuersatzes


obere Lagerschalen eines A-Head Steuersatzes

Dieses System findet sich an fast allen heutigen Bikes, wobei die Baumarkt-Billigscheiß-Räder da wieder die Ausnahme bilden. Ein Riesenvorteil ist, dass man zum Einstellen lediglich einen Inbusschlüssel benötigt und es einfach schneller geht als beim klassischen. Denn an Stelle der großen Sechskantmuttern fixiert der Vorbau die Gabel.

Einstellen des Steuersatzes

Als erstes löst Du die Schrauben am Vorbau. Dann drehst Du die Schraube in der Steuersatzkralle so weit in Uhrzeigerrichtung, bis kein Wackeln mehr da ist. Jetzt nur noch den Lenker neu ausrichten, Schrauben am Vorbau wieder festziehen und fertig.
Gut festgezogen ist ein Steuersatz dann, wenn er weder wackelt, noch klemmt. Das testest Du so: Laufrad gerade ausrichten und das Bike vorn am Oberrohr anheben. Jetzt leicht nach links oder rechts kippen. Kommt das Laufrad der Kippbewegung gut nach, alles ok. Wenn es zu träge ist, Steuersatz wieder etwas lockern.

 

Klassischer Steuersatz

schematischer Aufbau eines klassischen Steuersatzes

obere Lagerschalen eines klassischen Steuersatzes

Dieses System wird bei modernen Mountainbikes nicht mehr verbaut. Einer der Gründe ist das Werkzeug, das man für ihn benötigt: einen großen Schraubenschlüssel. Den hat man auf Tour mit Sicherheit nicht dabei.

Einstellen des Steuersatzes

Ist der Steuersatz locker, drehst Du die untere Sechskantmutter im Uhrzeigersinn etwas fester und prüfst erneut das Lagerspiel. Dann drehst Du die untere Sechskantmutter so weit fest, bis kein Wackeln mehr da ist und fixierst sie mit der oberen Kontermutter. Allerdings darf der Steuersatz auch nicht zu fest gezogen werden.

Die in den Steuersätzen verbauten Lager sind entweder Kugel- oder Nadellager. Kugellager sind billiger, aber nicht so haltbar wie Nadellager. Die Auflagefläche der Nadel-, bzw. Walzenlager ist größer und kann die Belastungen besser wegstecken. Im Normalfall reichen Kugellager aber aus.

Einbau eines neuen Steuersatzes

Die Lagerschalen des Steuersatzes werden entweder in das Steuerrohr eingeschlagen oder sind bereits integriert. Deshalb muss man sich vor dem Neukauf eines Steuersatzes im Klaren sein ob man einen integrierten Steuersatz benötigt oder nicht. Auch der Durchmesser der Lagerschalen muß dem Steuerrohr entsprechen.

Austreiben von Lagerschalen

Wenn die Schalen Deines Steuersatzes in das Steuerrohr eingeschlagen sind, kannst Du Sie auch wieder rausschlagen. Allerdings ist dabei sehr viel Geduld und Vorsicht gefragt, damit sich die Schalen nicht verkanten. Wenn Du kein Spezialwerkzeug dafür hast um die Schalen gleichmäßig auszutreiben, musst Du folgendermaßen vorgehen:

  • Hammer und eine längere, mindestens fingerdicke Eisenstange besorgen.
  • Den Rahmen mit dem Ober- oder Unterrohr (je nachdem welche Lagerschale Du austreiben willst) auf einem Holzstück auflegen. Du musst ihn unbedingt fixieren damit er nicht wegrutscht. Entweder Du hast eine zweite Person die das schafft oder Du baust Dir eine Hilfskonstruktion: Das Ober-/ Unterrohr durch einen - mit einem Lappen ausgelegten - Schraubstock führen, unten auflegen und seitlich mit den Klemmbacken fixieren. Aber bitte nicht allzu fest drehen, sonst versaust Du Dir den Rahmen! Da drohen nicht nur Dellen, sondern auch Schäden an den Schweißnähten des Steuerrohrs. Hier holst Du am besten eine zweite Person dazu.
  • Die Eisenstange durch das Steuerrohr führen und innen auf der Kante der Steuersatzschale auflegen.
  • Jetzt mit dem Hammer vorsichtig und gleichmäßig klopfen, dabei die Stange immer ein Stückchen weiter im Kreis an der Lagerschale entlang weiterziehen.
  • Geduld haben, denn je nachdem wie fest die Schalen sitzen, kann das dauern. Lass Dir auf jeden Fall Zeit dabei, denn wenn sich die Schale beim Austreiben zu sehr verkantet, weitest Du das Steuerrohr und die Schale des neuen Steuersatzes sitzt nicht mehr fest genug. Außerdem kann zu starke Klopperei die Schweißnähte schädigen.

Alternativen zur mühseligen Arbeit:

  • Zum Händler gehen, der hat Spezialwerkzeug und nimmt wahrscheinlich nur ein paar Euro dafür. Das ist gut investiertes Geld wenn Du Dir nicht sicher bist. Denn der Händler muss Dir einen neuen Rahmen besorgen wenn er ihn Dir versaut - aber der wird das schon können.
  • Sind nur die Lager von Deinem Steuersatz defekt? Dann probier mal nur neue Lager zu bekommen. Bei Markensteuersätzen kannst Du sie oft nachkaufen. Dann können die Lagerschalen bleiben wo sie sind.

Einschlagen von Lagerschalen

Einschlagen von Steuersatz-Lagerschalen
Ausrichtung von Steuerrohr und Lagerschale beim Einschlagen
Wenn Du keinen integrierten Steuersatz hast, musst Du in der Regel die passenden Lagerschalen in das Steuerrohr des Rahmens einschlagen. Wenn Du einen neues Bike baust, achte darauf, das das Steuerrohr bereits plangefräst ist! Sonst stehen die Lagerschalen nicht genau parallel zueinander und der Steuersatz hat Spiel!

Zum Einschlagen der Lagerschalen solltest Du Dir noch jemanden zu Hilfe holen, der den Rahmen festhält. Als erstes schaust Du genau, ob Du die richtige Lagerschale für oben in der Hand hast und der Rahmen so gehalten wird, dass das Tretlager unten ist. Wenn Du hier oben und unten verwechselst, kannst Du die Schalen später wieder rausschlagen und das Spiel geht von vorne los. Also lieber zweimal hinschauen.

Du legst unter das Steuerrohr ein Stück Holz, damit es nicht beschädigt wird. Dann legst Du die obere Lagerschale auf das Steuerrohr und drückst sie soweit es geht gleichmässig in das Steuerrohr hinein. Irgendwann ist Schluss, dann kommt der dicke Hammer zum Einsatz. Also auch hier ein Stück Holz auf die Lagerschale legen und, WICHTIG, das Steuerrohr genau senkrecht ausrichten. Sonst schlägst Du die Lagerschale zwangsläufig schräg ein. Locker mit dem Hammer draufhauen, mit Gewalt kannst Du Dir die Lagerschale und das Steuerrohr schnell versauen. Leichte Schrägstellungen während des Einschlagens lassen sich nicht verhindern, insofern regelmäßig mal unter das Brett schauen und ggf. mehr in Richtung der Stelle der Lagerschale ansetzen, die weiter heraussteht.

Das Gleiche machst Du mit der anderen Seite. Schau Dir die Lagerschalen an der Ober- und Unterkante des Steuerrohrs genau an. Sind sie wirklich komplett und gerade versenkt? Sonst verklemmt sich das Lager, wenn Du den Lenker später drehst.

Du solltest auf den ersten Ausfahrten immer mal wieder prüfen ob der Steuersatz Spiel hat. Denn häufig setzen sich die Lagerschalen noch ein wenig.

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